Erster Tag (Mittwoch): Abflug vom Flughafen Köln/Bonn und Ankunft in Las Palmas
Morgens um 4.15 Uhr kam pünklich unser Taxifahrer, um uns zum Flughafen Köln/Bonn zu bringen. Auf der Fahrt dorthin schaffte er es sogar um diese Uhrzeit, uns das Tauchen im Atlantik schmackhaft zu machen und eine Visitenkarte seiner eigenen Tauchschule mitzugeben.
Mit der üblichen Verspätung flogen wir Richtung Gran Canaria. Dort angekommen, holten wir zuerst unseren Mietwagen, überraschenderweise einen silbernen Opel Astra statt einem Corsa und immerhin mit Klimaanlage, die sich noch als äußerst wertvoll erweisen sollte. Weiter ging es Richtung Maspalomas zu unserer Bungalowanlage Sonora Golf. Der freundliche Empfangschef wollte durchaus nicht akzeptieren, dass wir beide nicht verheiratet sind, so dass Daniel kurzerhand als Mr. Tischer einchecken mußte.
Die
Bungalow-Anlage hatten wir uns etwas schicker vorgestellt, war doch alles eher
einfach und das Essen zum Teil relativ geschmacksneutral. Außerdem lasen wir im
ausliegenden Reiseordner, dass Kakerlaken landestypisch seien. Aber wir wollten
uns die Ferienlaune nicht verderben lassen und fingen erst einmal zu planen an,
was wir die nächsten vierzehn Tage unternehmen wollten. Das Angebot war
wirklich nicht uninteressant.
Beim Essen
erwartete uns eine kleine
Überraschung, als Daniel
seinen Arbeitskollegen Thomas traf, der mit einem
Freund zusammen ebenfalls hier Urlaub machte. Allerdings vier Tage weniger für
130 Euro mehr als wir.
Abends fuhren wir mit dem Auto runter zum Strand, um uns die viel gepriesenen Dünen von Maspalomas anzuschauen. Die waren auch wirklich sehr beeindruckend (von der Zona Nudista mal abgesehen) und wir beschlossen, mal bei Tageslicht eine Wanderung zu unternehmen. Für diesen Abend begnügten wir uns allerdings damit, am Strand und der naheliegenden Strandpromenade entlangzubummeln. Wieder zurück in der Anlage, überlegten, wir noch, was jetzt das größere Übel sei: Eventuell Kakerlaken im Bungalow zu haben oder bei über 30 Grad mit geschlossenem Fenster zu schlafen. Aus übergroßer Paranoia ungezieferentwöhnter Städter entschlossen wir uns letztendlich fürs Schwitzen.
Zweiter Tag (Donnerstag): Ausflug ins Landesinnere mit Kamelreiten
Heute war natürlich gemütliches Ausschlafen angesagt, wobei man nicht wirklich von Ausschlafen sprechen kann, wenn man vom Schweißgeruch seines eigenen Kopfkissens aufwacht. Nach dem Frühstück warteten wir auf die ITS-Reiseleiterin, um ein paar Ausflüge zu buchen. Als echten Schwaben war uns die angebotene Kamelsafari aber zu teuer, nebenbei konnte uns die Vorstellung, mit ca. 20 prolligen deutschen Touristen eine Tour mit albernen kleinen bunten Autos nach Fataga zu machen auch nicht gerade begeistern. Daher zogen wir alleine los, um auf eigene Faust eine Safari zu organisieren. Auf dem Weg nach Fataga durch eine karstige, aber sehenswerte Berglandschaft, kamen wir immer wieder an kleinen Oasen vorbei, die mit ihren Palmenhainen zwischen all dem braunen Gestein wirklich wie kleine Paradiese wirkten. An einer dieser Oasen machten wir Zwischenstopp. Da wir noch eine Weile warten mußten, setzten wir uns gemütlich in einen als Schaukel umfunktionierten Kamelsattel, schauten uns das Ende einer Kamelshow an und stellten dabei fest, dass die Kamele eigentlich Dromedare waren.
Nach
einer guten halben Stunde ging es los. Zusammen mit einem englischen Ehepaar
ritten wir auf zwei aneinandergebundenen Kamelen durch die Berglandschaft
geführt von einem jungen Spanier. Daniel und ich waren ziemlich froh, dass wir
auf dem hinteren Kamel saßen, da dieses ständig das vor uns reitende Ehepaar
piesackte. Allerdings verging uns bald das Lachen, denn da sich die Frau
mehrmals höflich beschwerte, tauschte der Kamelführer kurzerhand die beiden
Tiere aus,
so dass wir jetzt vorne saßen. Zum Glück stand das andere Kamel
offensichtlich mehr auf Männer, so dass ich selber weitgehend verschont blieb.
Als die Tour zu Ende war, wurde ich von
dem Kamelführer noch freundlich genötigt, mich alleine in die Mitte des Sattels
auf den Höcker des einen Kamels zu setzen und mich gut festzuhalten. Als das
Tier wieder aufstand, konnte ich mir in etwa vorstellen, wie sich Rodeoreiten
anfühlt und war froh, als ich wieder unten war.... Vom Kamelreiten hatten wir
beide für’s Erste genug.
Unsere
Tour führte uns tief ins Landesinnere über Fataga, einer üppig blühenden Oase
in der kargen Berglandschaft, nach San Bartolomé de Tirajana. Hier bummelten
wir ein bißchen durch die engen Gäßchen und legten vor der Kirche Santa Lucía
eine kleine Rast ein. Überall hatte man herrliche Blicke hinunter ins Tal. Da
wir noch eine Rundfahrt rings um das gebirgige Zentrum der Insel, der Cumbre
mit ihren gewaltigen Felsmassiven, vor uns hatten, hielten wir uns aber nicht
länger in San Bartolomé auf, sondern fuhren weiter nach Ayacata. Hier erwartete
uns ein hübsches Dörfchen aus weiß gekalkten Häusern, deren Balkone und Türen
üppig mit Blumen geschmückt waren. Ausgesprochen spartanisch war allerdings die
Straßenbeschilderung, so dass wir uns mehrere Male ganz ordentlich verfuhren.
Dadurch hatten wir aber die Gelegenheit, manch schönen Flecken mehrmals und aus
verschiedenen Richtungen zu betrachten. 
Über
kurvige, teilweise sehr enge und steile Straßen führte uns unser Weg
schließlich nach Tejeda, einem kleinen Bergnest im Barranco (=Schlucht,
Kerbtal) de Tejeda, das einem wieder wunderschöne Blicke ins Tal bietet (und
manchmal auch auf ganz niedliche kleine Katzenkinder.......NEIN, Daniel, wir
können KEINS von ihnen mitnehmen....). Hier deckten wir uns in einer kleinen
Bäckerei mit Mandel-Leckereien ein, unter anderem auch mit dem regional
typischen Bienmesabe, in Gläsern abgefülltes Mandelmus. Wir haben es leider
noch nicht probiert, aber sein Geschmack soll an feines Marzipan erinnern und
besser als jeder Honig schmecken. Wir werden bei Gelegenheit berichten, ob
diese Aussage zutrifft.
Unser letzter Zwischenstopp führt uns über mit Eukalyptusbäumen gesäumte Straßen zum höchsten Paß der Insel, zur Cruz de Tejeda. Da hier allerdings ein paar äußerst penetrante Verkäufer ihre Verkaufsstände aufgestellt hatten und uns sehr aufdringlich ihre Waren anboten, hielten wir uns nicht allzulange auf, sondern setzten unsere Fahrt um die Cumbre fort und fuhren wieder zurück nach Maspalomas. Bei Temperaturen weit über 30 Grad zogen wir es für den Rest der Fahrt vor, in unserem klimatisierten Mietwagen zu bleiben und uns die schöne Gebirgslandschaft im Vorbeifahren anzuschauen.
Um uns wenigstens ein bißchen abzukühlen, unternahmen wir abends noch einen langen Spaziergang von unserer Anlage bis zur Strandpromenade von Maspalomas. Aber ehrlich: Wie soll man sich bei über 30° abkühlen...?Dritter Tag (Freitag): Agaete und Westküste
Heute wollten wir eine Wanderung unternehmen. Daniel wählte eine Tour der leichten Kategorie, worauf ich ihn zugegebenermaßen einen Faulpelz schimpfte. Wir einigten uns dann auf die 7 Kilometer lange Route von Agaete zur Playa de Guayedra, die mit zwei Stunden angegeben war (Kategorie mittel).
Agaete liegt im Nordwesten von Gran Canaria. Mit dem Auto fuhren wir über die Autobahn nach Las Palmas und weiter die Nordküste entlang, bis wir Agaete erreichten. Hier parkten wir in der Nähe des Kirchplatzes. Hier sollte auch die Wanderung beginnen, allerdings mußten wir uns erst noch einigen, ob es sich bei dem Gebäude wirklich um eine Kirche handelte, da das auf den ersten Blick nicht so richtig erkennbar war. Als das geklärt war, wanderten wir so fröhlich wie es 38 Grad eben zulassen Richtung Puerto de las Nieves und gelangten bald an den Fuß eines steilen Gebirgswegs, der laut Wanderführer in 15 Minuten auf die wesentlich höher gelegene Landstraße führen sollte. Lag es vielleicht an den hohen Temperaturen, dass wir fast eine Stunde brauchten? In unserer Planung hatten wir leider den Höhenunterschied von ca. 460 Metern übersehen, der sich bei der Hitze doch übel bemerkbar machte. Völlig verschwitzt kamen wir endlich oben an. Mit unseren kurzen Hosen, den albernen Mützen wegen der Sonne und völlig erhitzten Gesichtern fühlten wir uns mehr trashig als trés chique. Nebenbei möchte ich noch bemerken, dass genau in diesem Augenblick Daniels Kollege Thomas mit seinem Freund im Auto an uns vorbeifuhr..... Ein Blick in den Wanderführer bestätigte uns, dass der Weg gleich wieder zurück ins Tal bis zum nächsten Aufstieg führen würde. In ungewohnter Einigkeit beschlossen wir daher, die Wanderung auf der Stelle abzubrechen und liefen wesentlich entspannter wieder zurück zum Auto. Für den Abstieg dürfte auch die Angabe von 15 Minuten in etwa gestimmt haben. Aber ganz bestimmt werde ich Daniel nicht mehr so schnell als Faulpelz bezeichnen......
Wieder
zurück beim Auto fuhren wir Richtung Meer nach Puerto de las Nieves, kauften
uns ein kühles Eis und setzten uns an den Strand. Von hier aus hatten wir auch
einen guten Blick auf den Dedo de Dios, ein vor der Küste aus dem Meer
steigender Basaltmonolith.
Nach der gescheiterten Wanderung war uns allerdings die Lust nach mehr Hitze vergangen, so dass wir unsere Fahrt einmal rund um die Insel ohne weitere Zwischenstopps fortsetzten. An der Westküste führte die Straße weitgehend direkt an der Küste entlang Von der hochgelegenen Küstenstraße hatten wir immer wieder die Gelegenheit, das steil abfallende Küstengebirge zu bewundern. Zwischen San Nicolás und Mogán wurde die Landschaft dann immer karstiger und die Vegetation immer spärlicher. In Puerto de Mogán erreichten wir dann wieder die Küstenstraße im Süden, von der man wieder herrliche Blicke auf das strahlend blaue Meer werfen konnte. Eher erschreckend waren allerdings die riesigen Bettenburgen, die in sämtlichen Küstenstädten bis in die Felsmassive hineingebaut waren. Das war nicht unbedingt das, was wir uns als idyllisches Ferienörtchen vorstellten, aber insgesamt waren diese Orte offensichtlich sehr gefragt, denn auf den Straßen ging es sehr trubelig zu.
Vierter Tag (Samstag): Fahrt mit Katamaran in Puerto Rico
Heute
mußten wir ein bißchen zeitiger raus, da wir zuerst noch den Ausflug nach
Marokko bei der unfreundlichen Reisetante buchen wollten und danach die Fahrt
mit einem Katamaran von Puerto Rico aus anstand. Um kurz nach 11 Uhr (und damit
sogar zu früh), kam schon der Bus, der uns nach Puerto Rico fahren sollte.
Wenigstens halbwegs klimatisiert, aber trotzdem war die Hitze kaum auszuhalten.
In Puerto Rico hatten wir noch ein bißchen Zeit, im Hafen entlangzubummeln.
Nach einer guten Stunde durften wir endlich den Katamaran betreten und fanden
auch gleichen einen schönen Platz auf dem Sonnendeck (..und wenn ich nicht hier
bin.....*lalalala*). Der Ausflug war im ITS-Reiseprospekt sehr schön
beschrieben: Das Boot hatte mehrere Ebenen, von denen aus man die Delfine und
die Fische beobachten kann. Auf dem Boot selber mußten wir feststellen, dass der
Glasboden defekt war, was aber keine große Rolle spielte, denn Delfine bekamen
wir sowieso nicht zu sehen. Aber wenigstens eine Riesenschildkröte und einige
fliegende Fische. Eine schöne Tour war es trotzdem u. die Hitze war an Bord
durch den Fahrtwind auch wesentlich besser auszuhalten. Dennoch gab es einige
Passagiere, die schon nach einer halben Stunde mit flauem Magen auf ihren
Stühlen hingen, darunter auch einige Kinder. Leider gab es trotzdem noch ein
paar, die die Energie aufbrachten, singend und schreiend durch die Gegend zu
rennen.
Wieder zurück in Puerto Rico, wartete unser Bus schon wieder auf uns. Puerto Rico ist übrigens sehr scheußlich mit seinen riesigen Hotelanlagen und den in die Berge hineingebauten Wohnsilos.Aber gerade ein deutscher Tourist muß hier sicherlich auf nichts (außer Ruhe) verzichten.
Der
Busfahrer verteilte seine Passagiere wieder auf die verschiedenen Hotel- und
Bungalowanlagen. Ich dachte noch kurz darüber nach, ob ein Job als Busfahrer
nun in Deutschland oder auf Gran Canaria mit seinen engen Straßen schlimmer
sei, da waren wir auch schon wieder in Maspalomas. Den Rest des Tages
verbrachten wir mehr oder weniger entspannend am Swimming-Pool zwischen all den
röstbraunen anderen Touristen, die wahrscheinlich nach ihrem Urlaub zwar von
Gran Canaria nichts gesehen, dafür aber eine 'gesunde’ Hautfarbe bekommen haben.
Abends unternahmen wir wieder einen Spaziergang an der Strandpromenade, was bei der Hitze die einzige Möglichkeit war, sich ein kleines bißchen abzukühlen. Gerade bei diesen Abendspaziergängen sah man wirklich jede Menge Kakerlaken, die im Dunkeln unterwegs waren. Eigentlich heißt es ja immer, dass diese kleinen Tiere viel mehr Angst vor uns haben als umgekehrt. Da wir aber bis zum letzten Tag jedes Mal vor Schreck auf die Seite sprangen, wenn direkt vor uns eine Kakerlake losflitzte, kann ich das irgendwie nicht so richtig glauben.
Fünfter Tag (Sonntag): Relaxtag in der Bungalow-Anlage
Da heute Sonntag war, verwarfen wir kurzfristig unsere Idee, einen Strandtag einzulegen und verbrachten nach einem ausgiebigen Frühstück den Rest des Tages am Swimming-Pool. Auffällig war nur, dass wir die einzigen Gäste waren, die im Schatten lagen. Hatten die anderen noch nie etwas von Hautkrebs und Sonnenallergien gelesen? Auch der Anteil der Bild-Leser war hier relativ hoch, ob das irgendwie zusammenhängt? Den Tag vertrieben wir uns mit Lesen, Schlafen und zwischendurch wurde zur Abkühlung auch gebadet. Leider blieb es bisher nur beim Vorsatz, viele Postkarten zu schreiben.
Beim
Essen fragte mich ein weiblicher Gast, ob meine schöne Haarfarbe eigentlich
Natur sei. Mit Blick auf den karottenroten Schopf ihrer Begleiterin
unterdrückte ich den Hinweis, dass man sowas besser vom Fachmann machen lassen
sollte.
Im frühen Abend machten wir uns erneut auf den Weg nach Maspalomas, da wir am Strand entlangjoggen wollten. Hierbei entdeckten wir in der Zona Nudista unseren Kinderanimateur beim Nacktbaden, ansonsten genossen wir den Sonnenuntergang und das Laufen am Strand. Nach anschließendem Abendessen in der Anlage unternahmen wir noch unseren langsam zur schönen Gewohnheit werdenden Abendspaziergang entlang der Strandpromenade von Maspalomas und kauften uns jeder endlich eine schickere kurze Hose.
Sechster Tag (Montag): Telde, Botanischer Garten in Tafira, Teror und Arucas im Norden
Unser
Weg zum Jardín Botánico zwischen Tafira Alta und Tafira Baja führte uns
zunächst nach Telde. Sehenswert in der ansonsten eher hässlichen Stadt ist
lediglich der Barrio San Francisco. Der Stadtteil aus der Zeit der Conquista
befindet sich im Norden von Telde. Hier findet man noch Straßenzüge aus dem 16.
Jahrhundert, maurisch inspirierte Zisternendächer, hübsche grüne Holzfenster,
mit Ornamenten verzierte Fenstersimse,
idyllische Innenhöfe und Geranien an jedem Fenster.
Nach einem kurzen Bummel durch die Stadt, fuhren wir Richtung Las Palmas. Auf der Autobahn kurz vor der Stadt gab es noch einen kleinen Aufruhr, da sich irgendwo ein Ziegenbock losgerissen und mal kurz ein paar kleinere Auffahrunfälle versacht hatte.
Am Südrand von Las Palmas bogen wir ins Landesinnere ab Richtung Tafira Baja zum Jardín Botánico, wobei wir beim ersten Mal leider die Ausfahrt verpassten. Nicht nur die Kölner Einbahnstrassen können einen zum Wahnsinn treiben. Unser DuMont-Reiseführer empfahl uns, in das zum Botanischen Garten gehörende Restaurant einzukehren, da es nicht nur eine tolle Aussicht, sondern auch eine gute kanarische Küche zu günstigen Preisen anböte. Leider konnten wir uns davon nicht überzeugen, da sich das gesamte Gelände im Umbau befand. Weiter lasen wir, man solle nicht in einer halben Stunde durch den Park hetzen, sondern in Ruhe betrachten, verweilen und sich ein paar Stunden Zeit nehmen. In Anbetracht der 38° und der zahlreichen Treppenstufen ergab es sich von selbst, dass wir öfter mal ein Päuschen auf den schattigen Steinbänken einlegten. Die Anlage gilt als der interessanteste Botanische Garten der nördlichen Welthalbkugel, der alljährlich ca. 100 000 Besucher zählt. Wir waren heute aber praktisch alleine unterwegs, was auch mal sehr angenehm war. So konnten wir in Ruhe die imposanten Drachenbäume, das Wäldchen aus Lorbeerbäumen und einen weiteren mit gewaltigen Exemplaren der kanarischen Kiefer betrachten. Erwähnenswert ist auch die Kakteenanlage. Obwohl ich aufgrund eines äußerst unangenehmen, aber prägenden Erlebnis mit einem giftigen Stachelkaktus in meiner Kindheit Kakteen eigentlich überhaupt nicht mag, war ich trotzdem sehr fasziniert, von der üppigen Pracht. Gerade wenn man Kakteen eigentlich nur klein und unscheinbar aus dem eigenen Gewächshäuschen auf der Heizung mit künstlicher Belichtung kennt, ist diese Anlage schon sehr beeindruckend.
Wieder
oben angekommen, genossen wir noch kurz den schönen Ausblick von auf den Park
und setzten dann unsere Reise fort. In Tafira Alto, einem schönen Villenviertel,
kehrten wir in einen kleinen Supermarkt ein, um uns mit Proviant für den
Nachmittag einzudecken. Als sehr angenehm empfand ich, dass hier meine
rudimentären Spanischkenntnisse endlich ein bisschen gewürdigt wurden. Der
Verkäufer war sichtlich erfreut, dass wir nicht nur Deutsch oder Englisch
sprachen. In Maspalomas sprechen die meisten Einheimischen so gut Deutsch, dass
sie es oftmals eher albern fanden, mit einem Deutschen spanisch zu sprechen.
Insgesamt war ich doch angenehm überrascht, dass ich doch nicht alles aus
meinen zwei Kursen an der Volkshochschule vergessen hatte. Und das war immerhin
etwa zwölf Jahre her. Was mir noch einfiel, habe ich natürlich auch Daniel
beigebracht. Er hat alles gelernt,
und kann jetzt wichtige Dinge sagen, wie Tenemos un poco de este jamon....Donde
esta la iglesia......Hace frio......Hay mas Nutella......und noch 186 andere
Worte und Redewendungen.
Reichlich mit Proviant versorgt, machten wir uns auf dem Weg zum Pico de Bandama und genossen bei Schinkenbrötchen, Gurke und Apfelsinen die herrliche Aussicht auf den gesamten Nordteil der Insel und die berühmte Caldera de Bandama. Erst als ein Reisebus mit einer Horde Touristen einfiel, suchten wir schnell das Weite.
Unsere Tour führte uns durch die hier im Norden herrlich grüne Landschaft vorbei an La Atalaya nach Santa Brígida, einem hübschen Dörfchen mit herrlichen Prunkvillen und altehrwürdigen Sommerhäusern inmitten von ausgedehnten Obstplantagen und Blumenfeldern. Wie eigentlich auf jeder Kanareninsel ist der Süden mit dem Norden überhaupt nicht zu vergleichen. Trotz des etwas unbeständigeren Klimas bevorzugten wir eindeutig den grünen Nordteil der Insel.
Weiter ging es in das ausgesprochen hübsche Städtchen Teror, das als Heimstatt der Virgen del Pino (Jungfrau von der Pinie) gilt. Nach einer Überlieferung war diese in den Zweigen einer Pinie erschienen, um ungetaufte Ureinwohner zum rechten Glauben zu führen. Die Stadt Teror, die seither um diese Pinie herum entstand, entwickelte sich daher immer mehr zum Wallfahrtsort für die Canarios. Was dem Muslim sein Mekka, ist also dem Canario sein Teror, kann man sagen. Neben der Basílica de Nuestra Senora del Pino gab es aber auch zahlreiche beeindruckende Adelspaläste und ehrwürdige Bürgerhäuser in altkanarischem Stil mit reich verzierten Türen, zierlichen Erkern, geschnitzten Holzbalkonen und oft auch mit Springbrunnen im zugehörigen Patio zu bewundern.
Aufgrund
der schon fortgeschrittenen Tageszeit, brachen wir auf nach Arucas, wo wir
heute einmal typisch kanarisch essen wollten. Dafür hatten wir uns das Mesón de
la Montana ausgesucht, oben auf dem Montana de Arucas. Davor machten wir noch
einen kurzen Zwischenstopp, um uns die Iglesia San Juan Bautista anzuschauen,
einem protzigen, neugotischen Bau, der ein bisschen an den Kölner Dom erinnerte
und gar nicht so richtig in diese Stadt zu passen schien. Weiter ging es über
kurvige, enge Straße den Montana de Arucas hinauf bis wir endlich oben an der
Spitze ankamen. Laut Reiseführer besticht dieses Restaurant mit herrlichem
Panorama und guten Gerichten. Als wir dort waren, behinderte leider dichter
Nebel die schöne Aussicht und den Fisch konnte ich nicht essen, weil ich statt
Gemüse nur Öl dazu auf dem Teller hatte.Siebter Tag (Dienstag): Stadtbummel durch Las Palmas
Heute schien es nicht mehr ganz so heiß zu sein, wie die ersten Tage und wir entschieden uns, einen Stadtbummel durch die Hauptstadt von Gran Canaria zu unternehmen. Mit dem Auto ging es los Richtung Norden. Als wir in Las Palmas ankamen, stellte sich zunächst die Frage, wo wir unseren Wagen abstellen könnten. Nachdem wir mindestens dreimal im Kreis gefahren waren, fanden wir endlich den gesuchten Parkplatz und hatten zwischenzeitlich auch fast alle Sehenswürdigkeiten der Altstadt gesehen.
Wir begannen unseren Stadtbummel im Stadtteil Vegueta, dem ehemaligen Standort weltlicher und geistlicher Behörden, dem Sitz von Kathedrale und Kirchen und den prächtigen Wohnsitzen der wohlhabenden Bevölkerung. Als erstes bummelten wir durch die Markthalle. Hier boten frischer Fisch sowie die verschiedensten Obst- und Gemüsesorten zwar keinen angenehmen Duft, aber einen appetitlichen Anblick. Auf dem Plaza de Santa Ana, direkt vor der Catedral de Santa Ana, setzten wir uns auf eine Parkbank, um uns einen Überblick über all die Sehenswürdigkeiten in Las Palmas zu verschaffen. Warum wir dabei unter der einzigen Regenwolke Gran Canarias sitzen mußten, blieb allerdings unklar, aber die siebenprozentige Regenwahrscheinlichkeit des Monats Oktober hatten wir jetzt hoffentlich hinter uns.
Von der Kirche aus liefen wir zur Casa de Colón, dem ältesten und schönsten Gebäude der Stadt. In der Casa de Colón befindet sich ein Museum, das Christoph Kolumbus gewidmet ist, der 1492 im Hafen von Las Palmas einlief, um Reparaturen an seinen Schiffen vornehmen zu lassen. Besonders erwähnenswert sind die prächtigen Innenhöfe mit ihrer üppigen Pflanzenpracht (sowie das aufgeweckte Papageienpärchen), die geschnitzten Balkone aus kanarischer Kiefer und die reich verzierten Stuckportale (eigentlich auch noch die hübschen Toiletten, aber das gehört hier jetzt wohl nicht hin). Der Besuch dieses kleinen Museums lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur wegen des schönen und sehenswerten Gebäudes, sondern auch wegen der zugehörigen Ausstellung.
Unser
Weg führte uns weiter die Calle Mayor de Triana entlang in den Stadtteil
Triana, dem Arbeits- und Wohnviertel der Händler, Handwerker und Fischer. Hier
sahen wir einige häßliche Ecken der Stadt mit heruntergekommenen Wohnblocks und
schäbigen Geschäften, aber auch viele hübsche Parks und kleine Boutiquen.
Ausgesprochen sehenswert ist auch die Ciudad Jardín, die eleganteste Wohngegend
von Las Palmas mit teilweise wirklich prächtigen Villen. Nach einem Abstecher
zum Hafen, dem Las Palmas noch heute seine Bedeutung als zentrale
Umschlagstation für Waren und den Personenverkehr verdankt,
gelangten wir zum Playa de las Canteras im Nordwesten der Stadt. Dieser überrascht uns mit
feinem, hellen und sauberen Sand und wird auch mit den Stränden an der
Copacabana verglichen (was ich persönlich aber nicht beurteilen kann, denn ich
war noch nie an der Copacabana).
Da der Weg durch die Stadt insgesamt immerhin gut acht Kilometer betrug, wir aber wieder zu unserem Auto mußten, gönnten wir uns für den Rückweg eine Fahrt mit dem Taxi (mit den Kölner Taxipreisen nicht zu vergleichen, der Betrag von 4,50 Euro hätte in Köln vermutlich für eine Fahrt von Neumarkt zu Heumarkt ausgereicht).
Da es heute sogar in Maspalomas ein bißchen regnete, sparten wir uns unseren Abendspaziergang und machten es uns mit Büchern und Zeitung in unserem Bungalow bequem.
Achter Tag (Mittwoch): Der Osten von Gran Canaria
Als
ich morgens in meinem Bett lag und aufgrund des ansteigenden Geräuschpegels
nicht mehr schlafen konnte, dachte ich darüber nach, was ich jetzt am liebsten
machen würde: Das Radio des Nachbarn links zertrümmern, dem permanent bellenden Köter nebenan den Frack versohlen
oder dem Nachbarn rechts sämtliche Schuhe wegnehmen,
damit er nicht mehr dauernd mit
lautem Klatschen Kakerlaken jagen kann. Während
ich noch überlegte, drehte sich Daniel neben mir mit lautem Quietschen und
Knarzen in seinem Bett herum und mir kam noch eine 4. Möglichkeit: Daniel in seinem Bett festbinden, damit er sich nicht mehr ständig rumdrehen
kann. Ich
entschied mich schließlich doch fürs Aufstehen.
Heute wollten wir uns den Osten von Gran Canaria ein bißchen genauer ansehen. An Telde vorbei fuhren wir weiter nach Cuatro Puertas, einer großen Höhle der Altkanarier mit einem großen Versammlungsplatz davor. Laut unserem Reiseführer könnte es sich bei dem Hügel oberhalb der Höhle um eine ehemalige Opferstätte handeln.
Weiter folgten
wir der Hauptstraße durch Ingenio hindurch nach Agüimes, einem arabisch anmutenden
kleinen Städtchen rund um die Iglesia de San Sebastían mit Türmen und Kuppeln,
die die weißgetünchten Hauskuben des historischen Zentrums rund um die Plaza
de Mayor überragen. Hier kam uns zum ersten Mal der Gedanke, daß der sogenannte
Tourismo Rural zum Beispiel ein einem solchen Städtchen vielleicht viel
ansprechender für uns gewesen wäre als der völlig überlaufene Süden der Insel
(ein kleiner Tipp für alle, die nicht auf den klassischen Massentourismus stehen).
Von Agüimes
aus machten wir einen Abstecher ins Landesinnere durch den eindrucksvollen Barranco
de Guayadeque mit seinen Höhlenwohnungen. Hier sahen wir (leider nur von außen)
ein ganzes Höhlendorf mit zahlreiche Höhlenwohnungen, zum Teil sogar mit eigenem
Parkplatz, eine kleine Kirche und schließlich am Ende der Straße das Höhlenrestaurant
Tagoror. An niedrigen kleinen Holztischen nahmen wir bei schönem Blick über
den Barranco einen kleinen Imbiß ein. Ich hatte Pellkartoffeln mit Mojo, einer
kanarischen Sauce, und Daniel hatte einen kanarischen Gemüseeintopf, von dem
wir leider den Namen nicht mehr wissen, der aber ausgesprochen lecker war.
Nach soviel Natur hielten wir auf dem Rückweg noch in Playa del Ingles, um durch das Einkaufszentrum Cita zu bummeln. Angeblich werden hier sogar Mädchen verschleppt, aber Daniel hatte Pech: Mich wollte niemand mitnehmen. Insgesamt erschienen mir die Kunden dieses Einkaufszentrum noch weitaus prolliger als in Maspalomas.
Auf unserem Abendspaziergang in Maspalomas erstanden wir für Daniel eine neue Badehose und schicke Badeschuhe, für mich eine schöne Umhängetasche.
Neunter Tag (Donnerstag): Hafentour nach Puerto de Mogán mit Schnorcheln im Meer
Für den heutigen
Tag hatten wir eine Fahrt nach Puerto de Mogán geplant. Mit dem Auto fuhren
wir an der Südküste von Gran Canaria entlang und genossen - die scheußlichen
Bettenburgen ignorierend - den herrlichen Blick aufs Meer.
Puerto de Mogán - in unserem Reiseführer als stilvollster Ferienort der Insel bezeichnet - ist wahrscheinlich das einzige ansehnliche Touristendorf von ganz Gran Canaria. Sein Jachthafen gilt immerhin als einer der feinsten auf den gesamten Kanaren. Aus diesem Grund wurde wohl insgesamt bei der Bebauung auf ein gewisses Maß an Exklusivität geachtet, so daß sich das Feriendorf sehr harmonisch in die Umgebung integriert. Sehr hübsch anzusehen sind die strahlend weißen Häuser mit fröhlich bunten Fenster- und Türrahmen und ihren schmiedeeisernen Balkonen. Statt mit Autos vollgestopfte Straßen durchziehen kleine Kanäle die Stadt, weshalb diese von den Canarios auch als 'Klein-Venedig' bezeichnet wird. Überall leuchten Geranien und andere Pflanzen in den herrlichsten Farben und kleine Pubs und Restaurants mit grünen Parkbänken davor laden zum Verweilen ein.
Auf einer dieser
Bänke machten auch wir ein kleines Päuschen, genossen entspannt das bunte
Treiben um uns herum und ein leckeres Eis (Anmerkung des Autors: immer noch
38° im Schatten). So entspannt, daß Daniel gleich mal unseren Foto liegenließ,
was wir natürlich erst wesentlich später bemerkten. Vorbei war es mit der Entspannung.
Daniel lief völlig panisch wieder zu der Parkbank zurück. Und? Soll nochmal
jemand behaupten, man könnte heutzutage niemandem mehr trauen. Der nette Kellner in dem
Restaurant direkt bei besagter Parkbank hatte die Kamera gefunden und nur darauf
gewartet, daß ein Tourist mit Angstschweiß auf der Stirn und Panik im Blick
um die Ecke gerannt kommt.
Ach übrigens, auch wenn auf den öffentlichen Parkplätzen in Puerto de Mogán überall Parkautomaten stehen, schert sich dort offensichtlich keiner um Parkgebühren. Nachdem wir uns gewundert hatten, daß kein einziges der parkenden Autos einen Parkschein hinter der Windschutzscheibe liegen hatte, fragte ich mit Blick auf die Automaten zögernd einen Einheimischen, ob der Parkplatz Parkgebühren kosten würde. Er antwortete nur mit einem verächtlichen 'Oh no, forget that!'. Und hielt mich wahrscheinlich für einen extrem seltsamen Touristen.
Von Puerto de Mogán machten wir uns auf zum Strand. Die Auswahl an der Südküste entlang ist wirklich üppig, von künstlichem Sandstrand über Kieselstrand bis zum schwarzen Vulkanstrand ist hier alles vorhanden. Unsere erste Wahl fiel auf die Playa Amadores, ein künstlicher Strand direkt hinter Puerto Rico mit schneeweißem Korallensand (angeblich aus der Karibik, in Wirklichkeit aber wohl aus El Aaiun in der Westsahara). Allerdings ließen die kostenpflichtigen Umkleidekabinen unser Schwabenherz nicht unbedingt höher schlagen. Auch die Tatsache, daß die Badenden am Strand so eng wie Sardinen in der Dose lagen, konnte uns nicht wirklich begeistern. Natürlich sollte ich hinzufügen, daß an diesem Strand alles sauber und ordentlich war. Aber für uns doch irgendwie zu künstlich und zu voll.
So fuhren wir mit dem Auto weiter die Küste entlang Richtung Maspalomas. Unser nächstes Ziel war Patalavaca, da dieses Küstengebiet laut Reiseführer ausgezeichnet für den Wassersport geeignet sei. Und ich wollte doch unbedingt mal meine Schnorchelausrüstung ausprobieren, die ich mir extra gekauft hatte. Warum nur konnte mich vorher niemand darauf hinweisen, daß Schnorcheln bei hohem Wellengang völlig unmöglich ist?
Abends
unternahmen wir wieder einen langen Spaziergang nach Maspalomas, um endlich
den Honigrum für Thorstens Großvater zu kaufen. Mittlerweile hatten wir ja die
unterschiedlichsten Preise sämtlicher Supermärkte in der näheren Umgebung im
Kopf, so daß wir genau wußten, wo es den günstigsten zu kaufen gibt. Wieder
zurück in unserem Bungalow gab es noch den üblichen Kakerlakencheck und danach
ab ins Bett. Und mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen war, ob wir wohl den
einzigen kakerlakenfreien Bungalow bewohnten.....
Zehnter Tag (Freitag): Segeltörn mit dem Hochseekatamaran Super-Cat
Pünktlich um
kurz vor 8.00 Uhr standen wir morgens vor der Bungalow-Anlage, um auf den Bus
zu warten, der uns nach Puerto Rico bringen sollte. Wir hatten für heute einen
Segeltörn mit dem Hochseekatamaran Super-Cat gebucht. Eine dumme Touristin machte
uns allerdings etwas nervös, als sie meinte, sämtliche Ausflüge wären aufgrund
des Busstreiks abgeblasen worden. Als wir schon völlig frustriert wieder unsere
Sachen packen wollten, kam unser Bus um die Ecke. Dank Streikbrecher Antonio,
dem Busfahrer, lief doch
alles wie geplant. In Playa del Inglés mußten wir
allerdings noch auf ein paar prollige Touristen aus Hessen warten, die wohl
wegen etwas exzessiveren Alkoholskonsums am Vorabend nicht rechtzeitig in die
Gänge gekommen waren.
Von Puerto
Rico aus startete der Hochseekatamaran die Westküste entlang mit gehisstem Segel.
Wenn man sich die anderen Touristen wegdachte, durchaus ein tolles Gefühl mit
fantastischer Aussicht. Unser Ziel war der Strand von Güigüi, ein abgeschiedener,
an eine riesige Felsküste angelehnter, kleiner Strand, der nur zu Fuß oder
per Boot zu err
eichen ist. Hier war es allerdings so windig, daß eines der Segel
riß, weshalb wir den Rest der Strecke unter Motor zurücklegen mußten. Die Aussicht
war trotzdem herrlich.
Laut Auskunft der Reiseleiterin wohnt bis heute eine
ca. 80-jährige Frau ganz alleine direkt am Strand und läßt sich alle 1 - 2 Wochen
Lebensmittel per Schiff anliefern.
Im Preis inbegriffen war ein leckeres Mittagessen: Es gab Huhn mit wilden Kartoffeln, dazu Mojo (die bereits erwähnte kanarische Soße), gemischten Salat und frisches Brot, sowie als Nachtisch kanarische Bananen. Sehr lecker!
Vom Katamaran aus hatte man später Gelegenheit zum Baden. Da es aber angeblich Haie in diesen Gewässern geben sollte, verzichteten wir darauf. Wir hatten die Sache mit den Kakerlaken noch nicht überwunden. Außerdem konnte man Jet-Ski und Bananenboot fahren, was sich allerdings als ziemlicher Touristennepp herausstellte (Jet-Ski 15 Euro für ca. 10 Minuten; Bananenboot immerhin nur 6 Euro für die gleiche Zeit). Auch hier waren wir nicht interessiert.
Nachdem wir wieder in unserem Bungalow angekommen waren, beschlossen wir, noch nach dem Museum in Guayadeque zu suchen, das von der Reiseleiterin wärmstens empfohlen worden war, wir aber bei unserem ersten Besuch in dem Barranco gar nicht registriert hatten. Leider war das einzige Gebäude, das evtl. ein Museum sein könnte, geschlossen, und nichts wies darauf hin, wann es wieder öffnen würde. Da uns auch unser Reiseführer hier nicht weiterhelfen konnte, machten wir uns unverrichteter Dinge wieder auf den Rückweg.
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Elfter Tag (Samstag):
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| Flug nach El Aaiun und Wüstenspaziergang | ||||||||||||
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Flug nach El Aaiun und Spaziergang durch die Sahara
Bisher
waren wir bei unseren Touren
vom andauernden Busstreik auf Gran Canaria
verschont geblieben, aber heute erwischte er auch uns, so dass uns unser
Reiseleiter Dirk mit 45 Minuten Verspätung mit mehreren Privat-Pkws
vor unserer Anlage abholte. Das wußten wir natürlich noch nicht, als wir
pünktlich um 8.00 Uhr vor dem Eingang warteten. Wir
schafften es letztendlich aber doch alle (mit dem Reiseleiter waren wir 15
Personen) noch rechtzeitig zum Flughafen, wo eine winzige, zweipropellrige
Maschine den beiden freundlichen Flugkapitänen Victor und Carlos auf uns
wartete. Die Maschine war so klein, dass nicht einmal ich aufrecht stehen
konnte. Bis nach Afrika schaffte sie es aber trotzdem, obwohl einige der
Passagiere sich da vorher nicht so sicher waren. Am Flughafen (dieses Wort ist
für das, was uns erwartete eigentlich übertrieben) wurden wir von Jeronimo
abgeholt, einem Deutschen, der bereits seit 32 Jahren in Afrika und teilweise
auf Gran Canaria lebt. Über die Richtigkeit des letzten Satzes sind sich Daniel
und ich übrigens nicht ganz einig.
Im
Flughafen hatten wir nochmal Gelegenheit, eine der wenigen zivilisierten
Toiletten zu
benutzen. Diese war allerdings nicht besser als ein deutsches
Bahnhofsklo (und damit meine ich nicht die von McClean im Kölner Hauptbahnhof);
danach wollte ich mir gar nicht vorstellen, wie sonst hier die Toiletten
aussehen. Vom Flughafen aus ging es mit drei Land Rovern (von denen bei uns
keiner mehr durch den TÜV gekommen wäre) und deren arabischen Fahrern ins
Zentrum von El Aaiun. Hier sahen wir eine Moschee, die wir allerdings nicht
betreten durften, sowie das Governeurshaus, eines der wenigen prächtigen
Gebäude in der Stadt. Auffällig und wohl typisch waren die zahlreichen Bilder
der Königsfamilie (diese waren uns bereits im Flughafen aufgefallen). Mit dabei
war ein einheimischer Fotograf, Alal, ein sehr freundlicher Araber, der immer
wieder seine Kamera zückte und auch bettelnde Kinder unauffällig verscheuchte.
Weiter
ging es Richtung Sahara durch karges Land über unbefestigte Straßen. Nachdem
wir eine schmutzige und mit viel Unrat übersäte Geröllpiste durchquert hatten,
erwartete uns der einzigartige Anblick der Wüste. Zu Fuß machten wir uns zu
einem kleinen Rundgang auf. Erstaunlich, wie fest die Dünen sind, insbesondere der Dünenkamm, auf dem
man gut laufen kann. Wenn man die hohen Berge mit ihrem feinen Sand von weitem
sieht, meint man immer, die sie müßten schon beim ersten Schritt
auseinanderrieseln. Bei dem Versuch, die Düne auf der anderen Seite wieder
runterzuklettern, bin ich dann aber doch ziemlich unelegant den Berg heruntergestolpert.
Durch die Dünen fegte ein ordentlicher Wind, so dass wir
einiges an Sand abbekamen. Ich hatte überall Sand, in den Schuhen, in den
Haaren, in der Hose, auf dem Rücken, sogar in den Ohren und bestimmt auch im
Bauchnabel. Sich die
Schuhe auszuleeren, machte kaum Sinn. Nach einem kleinen landestypischen Imbiß
in der Wüste (gegrillte Spieße aus Kamelfleisch: cholesterinarm und
potenzsteigernd) fuhren wir weiter.
Während der Fahrt mit den Jeeps kamen wir auch an ziemlich heruntergekommenen Slumsiedlungen vorbei. Laut Jeronimo wird hier noch zwischen Arabern und Schwarzen unterschieden. Letztere werden immer noch in einer Art Sklavenhaltung bei wohlhabenden Familien gehalten.
Strand und Hafen von El Aaiun
Unsere
nächste Station war der Strand, ein etwa 280 Kilometer langer Streifen feinsten
Sandes, touristisch allerdings völlig unerschlossen. Nach unseren Erfahrungen
in Maspalomas also das absolute Kontrastprogramm, was auf der einen Seite
natürlich sehr angenehm war. Auf der anderen Seite würde ein bißchen Tourismus
die offensichtlich leeren Staatskassen füllen. Den Strand hatten wir auf jeden
Fall ganz für uns alleine und nutzten die Zeit zum Steinesammeln, Bummeln und
unsere drei Fahrer zum Fußballspielen und zum Beten (insgesamt 5 mal am Tag). Nebenbei konnten wir in einem
Vier-Sterne-Hotel die zweite zivilisierte Toilette der Stadt aufsuchen.
Vom
Strand aus ging es weiter Richtung Hafen. Gerade als ich dachte, hier würden
ausrangierte Schiffe einfach zum Verrotten stehengelassen, mußte ich
feststellen, dass es sich um Fischerboote handelte, die durchaus noch als
solche benutzt wurden. Dieser Fischerhafen war mit Puerto de Mogan in keinster
Weise zu vergleichen. Dicht gedrängt lagen hier alte schmutzige und
heruntergekommene Kähne vor Anker. Da heute Waschtag war, hatten die Seeleute
überall Leinen mit Wäsche aufgehängt, was normalerweise wohl sehr hübsch
ausgesehen hätte. Hier fühlte ich mich allerdings zum ersten Mal richtig
unwohl, da wir hier die
Fischerleute beobachteten wie normalerweise die Tiere
im Zoo. Die Leute begegneten uns aber sehr freundlich, versuchten es mit
Brocken auf englisch oder spanisch (französisch ist hier offizielle
Landessprache). Einige versuchten auch zu betteln und liefen uns direkt bis zum
Auto hinterher. Abgesehen davon, dass man den Einheimischen nichts geben soll,
hatte ich sowieso kein Bargeld dabei. Nehmen Sie auch Visa?
Nach
dem Mittagessen machten wir uns auf den Weg zum ca. 480 Kilometer langen Wadi
des roten Flusses, einem ausgetrockneten Flußbett, in dem wir bis zu 70
Millionen Jahre alte Steinfossilien sammeln konnten, Süßwasserschnecken, die
angeblich Glück bringen sollen, wenn man sie mit der linken Hand umfaßt und
sich etwas dabei wünscht. Außerdem wuchsen hier Wüstenrosen, die in der heißen
Sonne fast verdorrt aussahen, die man aber mit Wasser, Kakteenerde und viel
Zuspruch in Deutschland zum Blühen bringen kann (Anmerkung der Verfasserin:
Unser Versuch läuft noch). Die beiden jüngeren Fahrer
schenkten mir jeder einen Strauß Rosen und ein paar versteinerte Schnecken. Zum
Glück wußte ich zwischenzeitlich dass man sich auf arabisch mit dem Wort
'schugran' bedankt, allerdings hatte ich gewisse Mühe, mir dieses Wort zu merken.
Schon einfacher zu behalten war 'Nimschu', was sinnvollerweise soviel heißt
wie 'Laßt uns gehen'. Ich hab allerdings keine Ahnung, ob man das so schreibt.
Unsere Reise führte uns weiter an einer kleinen Oase vorbei, an der wir einen kurzen Stopp zum Fotografieren einlegten. Wir wurden von einigen streunenden Hunden (einer mit nur noch drei Beinen) freundlich schwanzwedelnd begrüßt; offensichtlich hatte noch keiner schlechte Erfahrungen mit Touristen gemacht. Weiter ging es zu einer fast verfallenen Festungsruine der spanischen Fremdenlegion, Reste der spanischen Kolonialzeit. Wie uns unser Reiseleiter Dirk erzählte, sind Gespräche im Gange, diese Festung wieder aufzubauen und zu einem Museum umzufunktionieren.
Hinter der Ruine kamen wir an einem kleinen Kiosk vorbei. Offensichtlich kannte einer unserer Fahrer die Besitzer, denn er wurde freudig von ihnen begrüßt. Leider meinte einer der Mitreisenden, mit Fotografieren Rücksicht auf die Einheimischen zu nehmen, gelte nicht für ihn. Er zückte umgehend seine Kamera, um die Leute zu fotografieren. Selbst durch die heftigen Gesten der Frau, die sich sofort ihren Schleier vor das Gesicht hielt, konnten ihn nicht davon abhalten.
Bei den Märkten in El Aaiun
Unsere
nächste Station war der Viehmarkt mitten in El Aaiun. Etwas Derartiges hatten
wir bisher noch nicht gesehen: Jeden Tag werden hier auf engstem Raum Ziegen,
Kamele, Esel, Schafe und Hühner im Freien
zusammengepfercht, im wesentlichen nur durch Zäune aus Seilen und
alten Autoteilen voneinander getrennt. Lediglich ein Gebetsraum war durch
eine hohe Betonmauer geschützt; eine kleine Ausbuchtung in der Mauer lies erkennen,
in welcher Richtung sich Mekka befindet. Auf dem Markt wurde gehandelt, verkauft und
getauscht, ein buntes Treiben und ein Dreck, wie man es sich kaum vorstellen kann, wenn man es
nicht selber mal gesehen hat. Es herrschten unglaubliche Enge und Schmutz. Gerade als wir
dort ankamen, wurde ein Kamel auf recht rüde Art und Weise mit Draht ums Maul
und Seilen an den Beinen zusammengebunden und auf einen offenen Jeep gehievt.
Wir erfuhren, dass es für eine Hochzeit zum Schlachten bestimmt war.
Charakteristisch waren die entsetzten Rufe der anderen Touristen. Waren das die gleichen Leute, die heute morgen teilnahmslos durch die Slums von El Aaiun gefahren waren und sich anschließend die Kamelspieße schmecken ließen? Ich fragte mich, ob es Kühen oder Hühnern in Deutschland wirklich besser geht.
Als
nächstes schlenderten wir durch den Markt von El Aaiun. Hier herrschte ein
buntes quirliges Treiben. Es gab verschiedenste Obst- und Gemüsestände und
andere Lebensmittel, Haushaltswaren, Schuhe, Kleidung, Lederwaren, frischen
Fisch, Popcorn
(wurde in einer sehr 'antik' aussehenden Maschine hergestellt)
und vieles mehr. Die
Leute waren alle freundlich und sehr neugierig. Mit meiner bunten Brille und
den roten Haaren kam ich mir hier sehr exotisch vor. Besonders pfiffig waren
die Kinder, insbesondere die Jungs, die immer wieder versuchten, uns zu kleinen
Geschenken zu überreden oder fotografiert werden wollten, um dafür Trinkgeld zu bekommen. Unser Reiseleiter hatten uns aber
extra eingeschärft, den Leuten nichts zu geben. Mit unseren Kameras, Uhren,
Schmuck und teurer Kleidung weckten wir wahrscheinlich schon genug
Begehrlichkeiten.
Unsere
nächste Station war bei einem Teppichhändler in der Stadt, der zwar sehr
günstig schöne Teppiche verkaufte, aber wer zu Hause fast ausschließlich mit
Ikea eingerichtet ist, gibt nicht mal fix 150-300 Euro für einen handgewebten
Seidenteppich aus.
Als letztes machten wir bei den Silberschmieden Halt, winzige Läden, bei denen man sehr günstig Silberschmuck kaufen konnte. Mit Hilfe von ein paar spanischen und französischen Brocken (englisch spricht in El Aaiun kaum jemand) erstanden wir Geschenke für meine kleinen Nichten (aber behaltet das bloß für Euch) und machten uns anschließend wieder auf den Weg zum Flughafen, wo uns noch ein leckeres Abendessen (wieder Kamelfleisch, aber dieses Mal mit Pommes Frites und würzigen Kartoffeln) erwartete. Zwischenzeitlich waren auch unsere beiden Piloten wieder eingetroffen. Von Alal kauften wir noch ein paar Bilder (das Stück für einen Euro, im Vergleich zu den üblichen Preisen von 8 Euro wirklich ein Schnäppchen) und danach ging es wieder zurück zum Flugzeug. Nach einer guten halben Stunde Flug mit etwas schaukelnder Landung (es war mittlerweile auch auf Gran Canaria recht windig) kamen wir wieder um 22:30 am Flughafen von Las Palmas an und machten uns völlig k.o. auf den Weg zurück zur Bungalowanlage.
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Moschee von El Aaiun: Leider durften wir hier nicht rein |
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Bei unserem Spaziergang durch die Wüste Sahara |
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Auf dem Kamm der Dünen läuft es sich ganz gut, aber.... |
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Den Abstecher zum Strand nutzten wir zum Spazieren und Plaudern. |
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Überall sieht man herrenlose Tiere herumlaufen. |
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So sieht der Friedhof von El Aaiun aus. |
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Alte Schiffe werden hier einfach zum Verschrotten am Strand liegengelassen und hinterher der Versicherung als Schaden gemeldet (erzählte unser Reiseleiter). |
Zwölfter Tag (Sonntag): Letzter Bummeltag in der Anlage
Heute konnten wir noch einmal herrlich ausschlafen; mir reichte es trotzdem noch zum Frühstücken. Da Daniel noch schlief, nutzte ich die Gelegenheit, weiter an meinem Reisebericht zu arbeiten und die letzten Postkarten fertig zu schreiben.
In unserer Bungalow-Anlage war heute wieder An- und Abreisetag. Die neuen Gäste erkannte man beim Mittagessen immer an ihren roten Gesichtern.
Am Nachmittag beschlossen wir, nach Maspalomas ans Meer zu fahren. Von dem starken Wind ließen wir uns nicht abschrecken, sondern buddelten unseren Sonnenschirm - ein Erbstück von Thomas, der zwischenzeitlich schon wieder abgereist war - tief in den Sand ein und verbrachten die meiste Zeit im Wasser. Als Schutz gegen den Sand hat er allerdings nicht viel genutzt: Den fanden wir nachher in unseren gesamten Klamotten, Taschen und Schuhen (allerdings macht mit Daniel der Versuch, seine Kleidung vor Sand zu schützen, sowieso wenig Sinn). Beim Baden hatten wir trotzdem viel Spaß.
Abends fuhren wir nach Playa del Inglés, um uns auch diesen Teil von Gran Canaria näher anzusehen: Viel Ramba-Zamba mit aufgetakelten Touristen, völlig anders als in Maspalomas. Gesehen haben sollte man aber vielleicht auch das einmal. So bummelten wir die Strandpromenade entlang, bestaunten die eleganten Ferienwohnungen mit parkähnlichen Gärten und liefen anschließend direkt am Strand entlang wieder zurück zum Auto.
Dreizehnter Tag (Montag): Noch ein Ausflug in den Norden
Bei schönem
Wetter machten wir uns auf Richtung Norden. Da uns der grünere Teil der Insel
so gut gefallen hatte, hatten wir noch einen weiteren Ausflug in diese Richtung
geplant, genauer gesagt zum Nordwestzipfel von Gran Canaria.
Zunächst fuhren wir wieder nach Las Palmas. Von hier aus ging es weiter nach Gáldar. Um Galdar herum sah man jede Menge Bananenplantagen; offensichtlich leben Ort bzw. Municipio in erster Linie vom Bananenanbau. Gáldar selber gehört neben Las Palmas und Telde zu den eher hektischen und lauten Städte der Insel. Die engen Gassen sind durch die zahlreichen Autos hoffnungslos verstopft, so daß es schwer war, überhaupt einen Parkplatz zu finden. Nach kurzem Suchen fanden wir die Einkaufsstraße des Ortes, die Calle Capitán Quesada, und schließlich auch die hübsche Markthalle. Hier deckten wir uns zu verhältnismäßig günstigen Preisen mit unserer Tagesration an Obst, Brot und Schinken ein.
In der Ortsmitte von Gáldar auf der Plaza de Santiago legten wir einen kurz Halt ein. Auf der einen Seite erblickten wir die Iglesia de Santiago de los Caballeros, auf der anderen das Rathaus. In dessen Innenhof steht der angeblich schönste Drachenbaum der Insel, der Drago Milenario. Die Einheimischen behaupten, er soll bereits an die tausend Jahre alt sein. Andere Quellen halten dagegen, daß er erst im Jahr 1719 gepflanzt wurde. Davon mal abgesehen, handelt es sich wirklich um ein sehenswertes Exemplar. Allerdings fragten wir uns, wie lange er im Innenhof des Rathauses wohl noch Platz haben wird, nachdem dieser ihm schon heute kaum noch ausreichend Platz bietet.
Unser Weg führte
uns Richtung Westen nach Sardina. Angeblich kann man hier gut und günstig Fisch
essen, was wir aber selber nicht ausprobiert haben. Wir fuhren weiter zum Faro
de Sardina. Gerade an einem windigeren Tag wie heute hat man hier einen fantastischen
Blick auf das Meer. So beobachteten wir eine ganze Weile, wie die
hohen Wellen
gegen die Felsenküste brandeten. Am Horizont war auch die Nachbarinsel Teneriffa
sehr gut zu erkennen. Zurück in Sardina bummelten wir noch ein bißchen am Strand
entlang.
Anschließend machten wir uns wieder auf den Rückweg. Fast mit Gáldar zusammengewachsen ist das kleine Städtchen Santa María de Guía de Gran Canaria, kurz: Guía genannt. Hier erstanden wir auch ein Stück des hier bekannten queso de flor, ein aus Ziegen- oder Schafsmilch bestehender Käse, zu deren Gerinnung die Blüte der Blaudistel oder auch der Saft der Artischockenblüte verwendet wird. Aber bevor wir den Käse kauften, wollte Daniel erst noch ein Stückchen probieren. War ich stolz, daß ich diesen Wunsch in die schönen Worte 'Es posible de probar un poco de este queso' übersetzen konnte! Hoffentlich war das auch richtig, aber immerhin verstand die Verkäuferin, was ich von ihr wollte.
Auf der Rückfahrt
Richtung Autobahn unternahmen wir noch einen kurzen Abstecher nach Moya. Moya
war für mich mit eines der hübschesten Dörfchen von Gran Canaria, ganz anders
als das hektische Las Palmas, das schmutzige Telde oder das touristische Puerto
de Mogán.
Villa verde - grünes Städtchen - wird es von den ca. 7.000 Einwohnern
genannt. Neben der Iglesia el Pilar, genauer gesagt auf der Plaza el Pilar machten
wir ein kleines Päuschen, verzehrten die mitgebrachten Brötchen mit Schinken
und queso de flor, und überlegten mal wieder, daß Tourismo Rural für uns sicherlich
die bessere Alternative gewesen wäre. Für alle Interessierten: Moya ist dafür
sehr zu empfehlen! In einem kleinen Laden erstande
n wir noch die überall angebotenen
biscochos de Moya, ein im Holzofen gebackenes und mit Glasur überzogenes Gebäck
aus Eiern, Mandeln, Zucker, Mehl und Limonen, die allerdings nur entfernt an
die italienischen Biscottis erinnern. Schmeckten aber auch nicht schlecht.
Zum Schluß wollten wir noch den Lorbeerwald Los Tilos aufsuchen. Allerdings ließ uns hier unser Reiseführer etwas im Stich. Wir bogen zwar noch an der richtigen Stelle in das nach Los Tilos ausgeschilderte Seitental des Barranco Suage ein, aber sehr bald wurde die Straße immer steiler und schmaler. An manchen Stellen war es kaum noch möglich, mit unserem Auto weiterzufahren. Nach einer extrem steilen Auffahrt, oberhalb der uns ein Traktor entgegenkam, den wir wegen des Sonnenlichts aber fast nicht sehen konnten, gaben wir leicht entnervt auf und fuhren die Straße wieder zurück. Wieder auf der Hauptstraße angekommen, genossen wir unsere letzte Fahrt durch den grünen Barranco und machten uns auf den Rückweg nach Maspalomas.
Vierzehnter Tag (Dienstag): Besuch im Aqua Sur und Dünenwanderung
An der Straße zum Palmitos Park bei Maspalomas liegt Aqua Sur, der größte Wasserpark der Kanaren: Auf über 130 000 m² locken 29 Rutschen, ein Wellenbad sowie ein künstlicher Fluß. Nachdem wir uns den gesamten Park mit allen Rutschen genau angesehen hatten, zog ich es für den Anfang vor, eine der ganz kurzen Rutschen auszuprobieren. Ich hätte besser genauer hingeschaut, dann hätte ich vielleicht bemerkt, dass sie fast im freien Fall senkrecht abwärts führte. Daniel behauptete hinterher, er hätte meinen Schreckensschrei noch in der Nachbarröhre gehört.
Danach war mir erst einmal nach etwas Gemütlicherem zumute und wir wählten eine ziemlich lange Rutsche mit vielen Kurven, die einen schwungvoll nach unten in das vorgesehene Becken führten. Überrascht waren wir, wie streng hier die Sicherheitsvorschriften eingehalten wurden: Jede Rutsche war jeweils oben und unten mit einem Aufpasser besetzt, der genau darauf achtete, dass niemand zu dicht hinter seinem Vordermann rutschte oder sich unten im Pool zu lange aufhielt. Wir probierten sämtliche Rutschen aus: Kamikaze, Anaconda, Twister und wie sie alle hießen. Lange, treppenförmige, gewundene, steile und kurvige Rutschen; wir rutschten im Dunkeln, mit Schlauchboot und mit Schwimmring. Anhand des Namens konnte man selten darauf schließen, ob die Rutsche besonders wild war und auch die lauten Schreie der Engländerinnen halfen dabei nicht weiter: Die schrien schon bei der harmlosesten Rutsche, die heftigeren darunter probierten sie erst gar nicht aus.
So verbrachten wir einen tollen Nachmittag mit viel Lachen und Spaß. Anschließend machten wir uns noch zu einer schon lange geplanten Wanderung durch die Dünen von Maspalomas auf. Sieht ja eher harmlos aus, wenn man sich die Dünen vom Strand aus ansieht, aber ein Muskelkater ist beinahe vorprogrammiert. Und jede Menge Fliegen gibt es hier: Beseitigt man eine davon erfolgreich, kommen mindestens 3 neue nach!
Abends waren wir fast zu kaputt, um noch unsere Koffer zu packen. Irgendwann war zum Glück auch das geschafft. Ach ja, und falls Ihr mal ins Aqua Sur kommt: Mein Tipp ist auf jeden Fall die mittlere Rutsche der Aquamanía!

Fünfzehnter Tag (Mittwoch): Rückflug nach Köln
Viel zu früh war heute Aufstehen angesagt, aber wenigstens mussten wir uns keine Sorgen wegen des immer noch anhaltenden Busfahrerstreiks machen, da wir noch unseren Mietwagen hatten. Nach einem kurzen Frühstück ging es auch gleich los Richtung Flughafen. Die Insel erstrahlte noch ein letztes Mal in schönstem Sonnenschein und schon hieß es Auto abstellen, in die lange Warteschlange einreihen und die Koffer aufgeben.
Unser Fazit
zu dieser Reise? Gran Canaria ist auf jeden Fall eine Insel mit vielen Attraktionen,
wir haben einige schöne, erlebnisreiche Tage dort verbracht und viel gesehen.
Aber der Massentourismus in Maspalomas mit seinem hohen Anteil an Bildzeitunglesern, all
die Bettenburgen, zubetonierten Küsten und auch Playa del Inglés mit
seinen prolligen Touristen à la Mallorca sind wirklich nicht das Richtige für
uns. Eine schöne Alternative dazu wäre wohl Tourismo Rural in einem der
kleinen Dörfchen im Norden, z. B. in Moya oder Aguimes, wo man noch Einheimische
findet, die Spanisch sprechen, ohne Bildzeitung und ballermannartige Kneipen.
Nur leider haben wir das erst auf der Insel kennengelernt. Vielleicht beim nächsten
Mal?
Köln empfing uns – wie erwartet – mit Nieselregen und kühlen Temperaturen. Nach einem kurzen Besuch von Manfred hieß es auch schon wieder Kofferpacken, und weiter ging es nach Berlin. Aber das ist eine andere Geschichte....!